Norway Tour '94.
Die erste Woche, Anreise und rund um Stavanger


1.Tag

Abfahrt in Stuttgart bei strömenden Regen. Unterwegs konnte ich den Regenkombi nur 2 Mal kurz ausziehen. Nach 705 km erreiche ich Hamburg.

2.Tag

Abfahrt in Hamburg bei schönem Wetter. Solch schnelle Wetterwechsel sollte ich im Laufe der nächsten Wochen noch häufiger erleben. Aber vorerst erreiche ich die dänische Grenze nach insgesamt 876 km. Der Wind wird immer stärker, was das Geradeausfahren auf den langweiligen geraden Straßen nicht unbedingt erleichtert. Aber zumindest kommt er den großen dänischen Windmühlenparks zugute. Am Abend erreiche ich das um diese Jahreszeit fast noch wie ausgestorbene Hanstholm nach bisher insgesamt 1209 km. Tagesetappe: 504 km.

3.Tag

Es ist doch einfach schön, wenn morgens die Sonne in das Zelt scheint. Es ist aber immernoch mindestens genauso windig wie Gestern und es herrscht hoher Seegang. Die Überfahrt nach Norwegen (dauert schließlich auch 7 Stunden) wird sicher lustig!

Heute habe ich den ganzen Tag Zeit zum Faulenzen, da die Fähre erst am späten Nachmittag ablegt. Also gönne ich mir im örtlichen Einkaufszentrum unter Palmen ein kühles Pils (für umgerechnet DM 3,80), da ich so billig für Wochen kein Bier mehr zu sehen bekommen werde. Etwas oberhalb vom Hanstholmer Hafen leiste ich mir das erste Urlaubsfischmenü und komme dabei zum ersten Mal so richtig in Urlaubsstimmung.

Endlich in Norwegen!

Die Überfahrt mit der M/S Bergen war doch nicht so schlimm wie vorher befürchtet, aber dafür hat der norwegische Zoll in Egersund genervt: Ich mußte auf der Suche nach was auch immer alles auspacken! Sogar den Schlafsack! Das ist mir in Norwegen noch nie passiert und ich war schon 7 Mal vorher hier. Aber wenigstens hatte ich ein nettes Gespräch mit den Zöllnerrinnen. Bei starkem Platzregen fahre ich dann noch spät Nachts die letzte kurze Etappe bis Bersagel, einem kleinen Dorf ca. 30km von Stavanger entfernt. Hier lebt ein Teil meiner norwegischen Verwandtschaft, so daß ich einen guten Ausgangspunkt habe, um den Urlaub gemütlich in Gang kommen zu lassen. Ich erreiche also Bersagel nach insgesamt 1315 km. Tagesetappe: nur 106 km.

4.Tag

Na ja, das Wetter ist ja nicht gerade so umwerfend. Aber es reicht, um die ersten Fußmärsche und Klettereien zu unternehmen. In der Gegend kenne ich mich schließlich fast so gut aus, wie zu Hause und brauche folglich nicht lange zu suchen, um schöne Stellen zu finden. Heute bei insgesamt 1340 km. Tagesetappe: nur 25 km.

5.Tag

Heute steht ein Ausflug nach Stavanger an. Stavanger, die viertgrößte Stadt Norweges, wird auch die Ölhauptstadt Norwegens oder Norwegens Dallas genannt. Dennoch hat sie sich ihr altes Antlitz erhalten, nur draußen in der Bucht von Stavanger kann man ab und zu beobachten, wie die großen Ölplattformen zusammengebaut werden.

Im Stadtkern herrschen immernoch die typischen norwegischen Holzhäuser vor, alles als Fußgängerzone verkehrsberuhigt. Am Hafen wird selbstverständlich täglich Fischmarkt abgehalten wo ich mir auch prompt 1/4 kg frische Reker (das ist die norwegische Bezeichnung für Nordseekrabben) leiste und diese zum Mittagessen auf einer Mole sitzend verspeise. Alleine dies ist ein Norwegenurlaub wert.

6.Tag

Tolles Wetter mit den richtigen Fotowolken! Heute werde ich einen Ausflug zum Prekestolen machen, einer 600 Meter hohen Felsklippe am Lysefjord. Den mit 2 Stunden angesetzten Aufstieg von der Rückseite schaffe in 1 Stunde 10 Minuten, den Abstieg später in 53 Minuten. Leider ist der Weg jetzt im Vergleich zu früher viel zu gut ausgebaut und oben steht jetzt sogar ein Kiosk! Dadurch haben die Verantwortlichen nur erreicht, daß immer mehr Stöckelschuhtouristen den Weg nach oben wagen. Dann ist es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis man für dieses Naturschauspiel auch noch Eintritt zahlen muß, oder bis an dem 600 Meter tiefem Abgrund ein Geländer aufgebaut wird. Ich konnte wenigstens den Prekestolen ein weiteres Mal in seiner (fast) unberührten Form genießen.

Fünf Jahre vorher war ich mit ein paar Freunden spät Abends bei ähnlich schönem Wetter nach oben gewandert. Nachdem die letzten Besucher den Abstieg angetreten hatten, bauten wir oben das Zelt auf und konnten einen wunderbaren Sonnenuntergang über dem Meer hinter Stavanger genießen. Eine solche Aktion ist unbedingt zur Nachahmung empfohlen, solange dies noch möglich ist.

Aber wir sind im Jahr 1994 und am Abend erwartet mich nach meiner Rückkehr bei meiner Tante ein leckeres Lachsessen, bevor ich am nächsten Tag endlich die Reise durch Norwegen beginne.

Da ich die letzten beiden Tage mein Motorrad überhaupt nicht angerührt habe, ist der Kilometerstand immernoch bei 1340 km.

7.Tag

Endlich geht's weiter! Auf der Reichsstraße 1 starte ich Richtung Bergen. Dabei führt die Straße hinter Stavanger durch 2 Tunnels unter den Forden hindurch auf die vorgelagerten Inseln. Das ist im Gegensatz zu einer Paßhöhenüberquerung, wo man in der Regel ein Schild mit der Höhe über dem Meeresspiegel sieht, eine völlig neue Erfahrung. Im ersten Tunnel kommt da ein Schild mit der Aufschrift 223 m.u.h, beim Zweiten sind es dann 'nur' noch 133 m.u.h.

In der Höhe von Haugesund geht es dann erst mal weiter in Richtung Nord-Ost, um dem Hardangerfjord etwas näher zu kommen. In Skånevik muß ich eine 3/4 Stunde auf die Fähre nach Utåker warten, was aber außnahmsweise überhaupt nichts ausmacht. Im Gegenteil, in Skånevik war gerade ein richtig nettes Dorffest zu Gange!

Als dann endlich die Fähre kommt, geht es weiter bis Rosendal zur Baronie. Die Baronie ist ein alter Gutshof aus dem Jahre 1665. Nur wenige Kilometer weiter beziehe ich eine wirklich nette Hütte bei der Fährstation von Løfallstrand nach insgesamt 1568 km. Heute waren das nur gemütliche 228 km.



Norway Tour '94
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Copyright © Gunnar Knupe 1998
Letzte Änderung: 17-Oct-1998